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Biografie

Ich begann im Alter von 12 Jahren mit dem Schlagzeugspielen. Mein erstes Schlagzeug habe ich mir selbst gebaut. Das Waschmittel war damals in runden Pappeimern, die habe ich genommen und mit Alufolie beklebt. Die Alufolie hat beim Trommeln mitgeraschelt und entfernt an den Sound einer Snaredrum erinnert. Ich weiß noch, dass ich mir eine HiHat selbst gebastelt habe. Unter das Fußpedal klemmte ich eine altmodische Mausefalle, die das Pedal immer wieder nach oben drückte. Nachdem ich mehr als ein Jahr mit Begeisterung auf diesem Teil herumtrommelte, entschlossen sich meine Eltern zum Kauf eines “richtigen“ Schlagzeugs. Es bestand aus Bassdrum, Snare, einem Tom und einem Becken. Eine Hi-Hat kam erst später dazu, ich hatte ja meine Selbstgebaute !

Ich spielte dann nach kurzer Zeit in der Schulband, mit 15 hatte ich meine erste eigene Rockband und ein Jahr später trommelte ich in einer ganz passablen Big Band. Nach dem Abitur nahm ich ein Jahr lang Unterricht bei Joop van Erven in Arnheim. Ich hatte später hin und wieder andere Lehrer, aber Joop war der Wichtigste. Von ihm lernte ich die Moeller-Technik, der Schlüssel für effektives und entspanntes Trommeln.

In den neunziger Jahren tourte ich mit der Rockband „THE PARTS“ durch halb Europa und produzierte 4 Alben mit dieser Band.

Markus Leukel

Seit 1996 spiele ich bei der Mark Gillespie Band. Auch wenn der ganz große Erfolg bisher ausblieb, hat die Band doch Beachtliches geleistet, u.a. 4 Studio-CDs, 3 Live-Alben und eine DvD, Support-Tourneen mit Jethro-Tull, Manfred Mann und Meat Loaf und Auftritte auf großen Festivals, zBsp beim Cropredy-Folkfestival in England.

Über die Jahre hat sich so eine Menge Material angesammelt, dass ich für mein Buch „Afro-Drums“ zusammengestellt habe.

Ich möchte mit diesem Buch dem Ursprung des Grooves nachspüren, denn der Groove ist das afrikanische Erbe unserer populären Musik. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich eine fundierte Kenntnis afrikanischer Rhythmik auf alle Aspekte des Schlagzeugspielens positiv auswirkt. Kaum eine andere Kultur hat ein so komplexes rhythmisches System geschaffen. Wieso also nicht von den Meistern lernen ?

Anfang Oktober 2005 hatte ich einen Soloauftritt am downtown music institute in Augsburg. Dort traf ich Borel de Sousa, einen begnadeten Perkussionisten aus Salvador da Bahia, der in München lebt. Zu dieser Zeit machte ich mir ernsthafte Gedanken, ein Buch über brasilianische Rhythmen zu schreiben. Ich erzählte Borel von meinen Plänen und nach wenigen Tage war mir klar, dass ich in Borel den idealen Co-Autor gefunden hatte. Wir haben uns daraufhin häufig in Augsburg getroffen und an dem gemeinsamen Buch gearbeitet. Markus Becker vom downtown stellte uns großzügig Räumlichkeiten und Instrumente zur Verfügung. Im Sommer 2006 reiste ich mit Borel in seine Heimatstadt Salvador. Die Eindrücke dieser Reise werden auf Ewig in meinem Gedächtniss bleiben. Im Herbst begannen wir dann mit den Studioaufnahmen und im März 2007 war das Buch schon fertig. Mit den Leuten vom artist-ahead Musikverlag wurden wir uns schnell einig und seit November 2007 ist unser Buch "Ritmos do Brasil" in den Läden. Auf 160 Seiten bietet es geballte Information zu den bekanntesten brasilianischen Rhythmen.

Ein neues Kapitel: das Cabo Verde Projekt

Im Herbst 2007, auf Tour mit der Mark Gillespie Band, ich glaube, es war in Bochum, ging ich nachmittags in irgendeinen CD-Laden. Nur so, zum Zeitvertreib. Und da sah ich eine CD mit einer bildhübschen Frau, Mayra Andrade. Die kannte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht und ich hörte mal rein: absolut geniale Musik, rein akustisch mit einer umwerfenden Sängerin und Rhythmen, wie ich sie so noch nicht gehört hatte. Es stellte sich heraus, dass Mayra Andrade von den Kapverdischen Inseln (Cabo Verde) stammt, mittlerweile hauptsächlich in Paris lebt und dies ihr erstes Album ist. Sie ist zum Zeitpunkt der Aufnahme (2006) erst 21 Jahre alt.

Mein Interesse für die Musik dieses kleinen Inselstaates vor der westafrikanischen Küste war jedenfalls geweckt uns so kaufte ich mir in der folgenden Zeit immer häufiger CDs mit kapverdischer Musik, Lura, Tito Paris, Teofilo Chantre, Bana, Ildo Lobo, Cesaria Evora, Simentera, Maria de Barros, u.s.w.

Mit jeder gekauften CD wuchs der Wunsch, das Land kennenzulernen, in dem so wunderschöne Musik gemacht wird. Im Mai 2008 war es dann soweit. Es war überwältigend und nun stecke ich in einem tollen Projekt, in dem es um nichts Geringeres geht als um die erstmalige schriftliche Dokumentation der Rhythmen dieses Landes. Mario Lúcio, einer der bekanntesten kapverdischen Musiker und musikalischer Leiter von Simentera, hatte ich schon im Januar 2008 auf seiner Deutschland-Tour kennengelernt und wir hatten erstmals vage über ein derartiges Projekt gesprochen. Mittlerweile ist es sehr konkret geworden und ich werde in nächster Zeit noch sehr viel mehr Zeit auf Cabo Verde verbringen.

Kapverdische Musik ist ein einzigartiger Mix aus afrikanischen, europäischen und lateinamerikanischen Elementen. Bedingt durch das Fehlen von geeigneten Hölzern zum Bau von Trommeln und auch durch die repressive portugiesische Kolonialpolik gegenüber allem, was irgendwie afrikanisch angehaucht war, haben sich dort ganz eigene Lösungen entwickelt, wie der Rhythmus dennoch integraler Bestandteil der Musik sein kann. Modifizierte, alte portugiesische Marschtrommeln, ein Winkeleisen als Schrapinstrument (Ferrinho) und mit Stofffetzen gefüllte Plastiktüten sind nur einige von vielen kreativen Lösungen für den Mangel an typisch afrikanischen Trommeln.

Meine nächste Reise ist im Oktober. Dann gehe ich bei Valdomiro Dias "in die Lehre", dem einundsiebzigjährigen Chéfe dos Tambores der Vulkaninsel Fogo.