__________________________________________________________________________BiografieIch begann im Alter von 12 Jahren mit dem Schlagzeugspielen. Mein erstes Schlagzeug habe ich mir selbst gebaut. Das Waschmittel war damals in runden Pappeimern, die habe ich genommen und mit Alufolie beklebt. Die Alufolie hat beim Trommeln mitgeraschelt und entfernt an den Sound einer Snaredrum erinnert. Ich weiß noch, dass ich mir eine HiHat selbst gebastelt habe. Unter das Fußpedal klemmte ich eine altmodische Mausefalle, die das Pedal immer wieder nach oben drückte. Nachdem ich mehr als ein Jahr mit Begeisterung auf diesem Teil herumtrommelte, entschlossen sich meine Eltern zum Kauf eines “richtigen“ Schlagzeugs. Es bestand aus Bassdrum, Snare, einem Tom und einem Becken. Eine Hi-Hat kam erst später dazu, ich hatte ja meine Selbstgebaute !
Seit 1996 spiele ich bei der Mark Gillespie Band. Auch wenn der ganz große Erfolg bisher ausblieb, hat die Band doch Beachtliches geleistet, u.a. 4 Studio-CDs, 3 Live-Alben und eine DvD, Support-Tourneen mit Jethro-Tull, Manfred Mann und Meat Loaf und Auftritte auf großen Festivals, zBsp beim Cropredy-Folkfestival in England.
IDie Liste der Musiker und Bands, mit denen ich in den letzten Jahren zusammengearbeitet habe, ist ganz schön lange geworden. Tom Liwa, Lulo Reinhardt, John Morel, Joe Ginnane, Sven Görtz, Browning, David Frenkel , Tony Hudspeth, Kassadondo, Afrodisia, .... um nur einige zu nennen. Sogar Heino war mal dabei (war gar nicht so schlimm, und gar nicht so einfach !).
Ein ganz aktuelles und schönes Projekt ist die Band TWÄNG! mit der ich im Januar 2008 eine CD eingespielt habe: ausschließlich Eigenkompositionen mit vielen verschiedenen Einflüssen aus Jazz, Rock und IWeltmusik.
Nachdem ich die ersten 15 Jahre meines Musikerlebens hauptsächlich Pop-und Rockmusik gemacht habe, hat mein Interesse für diese Art Musik spürbar nachgelassen und sich deutlch in Richtung Afro-und Latinmusik gewendet. Ich habe angefangen, viele verschiedene Percussioninstrumente zu lernen und bekomme auch in letzter Zeit mehr und mehr Jobs, in denen ich gar kein Schlagzeug mehr spiele sondern nur noch Percussion. Mein Interesse für lateinamerikanische Rhythmen hat u.a. die Musik von Santana in mir geweckt. Ich wurde neugierig, wo diese großartigen Rhythmen eigentlich herkommen, die bei Santana in so unnachahmlicher Weise mit Elementen aus Rock und Blues kombiniert werden. Mittlerweile gibt es viele ausgezeichnete Lehrbücher zum Thema „Latinrhythmen“. Aber auch diese Rhythmen sind noch nicht der Ursprung, der liegt in Afrika selbst und darüber gibt es noch nicht so viel Literatur, wenn überhaupt, dann in erster Linie für Percussionisten. Und so habe ich dann begonnen, afrikanische Trommelrhythmen nach meinem eigenen System auf das Schlagzeug zu übertragen. Zusammen mit meinen Bandkollegen von „Kassadondo“ (3 Percussionisten, Saxophon, Laptop und ein Drummer) kombinieren wir traditionelle Rhythmen mit modernen Sounds und gehen dabei recht unkonventionelle Wege. Diese Band eignet sich hervorragend zum Experimentieren und ich kann mit „Kassadondo“ eine Vielzahl dieser Ideen verwirklichen. Eine andere, in diesem Zusammenhang sehr wichtige Band, ist Afrodisia. Wir spielen traditionelle westafrikanische Percussion-Musik und laden für die Konzerte oft renommierte Trommler und Tänzer/innen ein, zB. Billy Konate und Richard Sagno. Über die Jahre hat sich so eine Menge Material angesammelt, dass ich für mein Buch „Afro-Drums“ zusammengestellt habe. Ich möchte mit diesem Buch dem Ursprung des Grooves nachspüren, denn der Groove ist das afrikanische Erbe unserer populären Musik. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich eine fundierte Kenntnis afrikanischer Rhythmik auf alle Aspekte des Schlagzeugspielens positiv auswirkt. Kaum eine andere Kultur hat ein so komplexes rhythmisches System geschaffen. Wieso also nicht von den Meistern lernen ? Anfang Oktober 2005 hatte ich einen Soloauftritt am downtown music institute in Augsburg. Dort traf ich Borel de Sousa, einen begnadeten Perkussionisten aus Salvador da Bahia, der in München lebt. Zu dieser Zeit machte ich mir ernsthafte Gedanken, ein Buch über brasilianische Rhythmen zu schreiben. Ich erzählte Borel von meinen Plänen und nach wenigen Tage war mir klar, dass ich in Borel den idealen Co-Autor gefunden hatte. Wir haben uns daraufhin häufig in Augsburg getroffen und an dem gemeinsamen Buch gearbeitet. Markus Becker vom downtown stellte uns großzügig Räumlichkeiten und Instrumente zur Verfügung. Im Sommer 2006 reiste ich mit Borel in seine Heimatstadt Salvador. Die Eindrücke dieser Reise werden auf Ewig in meinem Gedächtniss bleiben. Im Herbst begannen wir dann mit den Studioaufnahmen und im März 2007 war das Buch schon fertig. Mit den Leuten vom artist-ahead Musikverlag wurden wir uns schnell einig und seit November 2007 ist unser Buch "Ritmos do Brasil" in den Läden. Auf 160 Seiten bietet es geballte Information zu den bekanntesten brasilianischen Rhythmen. Ein neues Kapitel: das Cabo Verde Projekt Im Herbst 2007, auf Tour mit der Mark Gillespie Band, ich glaube, es war in Bochum, ging ich nachmittags in irgendeinen CD-Laden. Nur so, zum Zeitvertreib. Und da sah ich eine CD mit einer bildhübschen Frau, Mayra Andrade. Die kannte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht und ich hörte mal rein: absolut geniale Musik, rein akustisch mit einer umwerfenden Sängerin und Rhythmen, wie ich sie so noch nicht gehört hatte. Es stellte sich heraus, dass Mayra Andrade von den Kapverdischen Inseln (Cabo Verde) stammt, mittlerweile hauptsächlich in Paris lebt und dies ihr erstes Album ist. Sie ist zum Zeitpunkt der Aufnahme (2006) erst 21 Jahre alt. Mein Interesse für die Musik dieses kleinen Inselstaates vor der westafrikanischen Küste war jedenfalls geweckt uns so kaufte ich mir in der folgenden Zeit immer häufiger CDs mit kapverdischer Musik, Lura, Tito Paris, Teofilo Chantre, Bana, Ildo Lobo, Cesaria Evora, Simentera, Maria de Barros, u.s.w. Mit jeder gekauften CD wuchs der Wunsch, das Land kennenzulernen, in dem so wunderschöne Musik gemacht wird. Im Mai 2008 war es dann soweit. Es war überwältigend und nun stecke ich in einem tollen Projekt, in dem es um nichts Geringeres geht als um die erstmalige schriftliche Dokumentation der Rhythmen dieses Landes. Mario Lúcio, einer der bekanntesten kapverdischen Musiker und musikalischer Leiter von Simentera, hatte ich schon im Januar 2008 auf seiner Deutschland-Tour kennengelernt und wir hatten erstmals vage über ein derartiges Projekt gesprochen. Mittlerweile ist es sehr konkret geworden und ich werde in nächster Zeit noch sehr viel mehr Zeit auf Cabo Verde verbringen. Kapverdische Musik ist ein einzigartiger Mix aus afrikanischen, europäischen und lateinamerikanischen Elementen. Bedingt durch das Fehlen von geeigneten Hölzern zum Bau von Trommeln und auch durch die repressive portugiesische Kolonialpolik gegenüber allem, was irgendwie afrikanisch angehaucht war, haben sich dort ganz eigene Lösungen entwickelt, wie der Rhythmus dennoch integraler Bestandteil der Musik sein kann. Modifizierte, alte portugiesische Marschtrommeln, ein Winkeleisen als Schrapinstrument (Ferrinho) und mit Stofffetzen gefüllte Plastiktüten sind nur einige von vielen kreativen Lösungen für den Mangel an typisch afrikanischen Trommeln. Meine nächste Reise ist im Oktober. Dann gehe ich bei Valdomiro Dias "in die Lehre", dem einundsiebzigjährigen Chéfe dos Tambores der Vulkaninsel Fogo. |
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